Das Martinstor steht an der Kaiser-Joseph-Straße im Süden der Freiburger Altstadt und ist das ältere der beiden erhaltenen Stadttore aus der mittelalterlichen Wehranlage. Errichtet wurde es 1202 als Norsinger Tor und 1238 erstmals urkundlich als Porta Sancti Martini erwähnt. 1901 stockte der Architekt Carl Schäfer den ursprünglich 22 Meter hohen Turm auf seine heutige Höhe von 60 Metern auf und versah ihn mit spätgotischem Dachaufbau und kleinen Ecktürmen. Auf der Innenseite erinnert eine Schrifttafel an die Opfer der Freiburger Hexenverfolgungen. Durch das Tor verläuft die Hauptachse der Innenstadt, befahren von der Straßenbahnlinie 1.
Alle Infos zum Martinstor Freiburg
- Das Martinstor steht an der Kaiser-Joseph-Straße im Süden der Freiburger Altstadt, in unmittelbarer Nähe zur Universität und zum Bertoldsbrunnen.
- Errichtet 1202 als Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung, im Mittelalter als Norsinger Tor bezeichnet, 1238 erstmals urkundlich als Porta Sancti Martini erwähnt.
- Im Mittelpunkt steht der 60 Meter hohe Torturm aus rotem Sandstein, dessen heutiges Erscheinungsbild aus dem Umbau von 1901 unter Architekt Carl Schäfer stammt.
- Der westlich angrenzende Torbau aus der Renovierung 1901 ermöglicht einen zweiten, größeren Durchgang und beherbergt im Erdgeschoss seit 1990 ein McDonald’s-Restaurant.
- Auf der Innenseite des Tors erinnert eine Schrifttafel an die Ratswitwen Anna Wohlffartin, Catharina Stadelmennin und Margaretha Mößmerin, die 1599 als Hexen hingerichtet wurden.
Geschichte des Martinstor
Das Martinstor entstand 1202 als Teil der frühen Stadtmauer Freiburgs, dendrochronologische Untersuchungen der Holzbalken belegen das Baujahr. 1238 wird es urkundlich als Porta Sancti Martini erstmals erwähnt. Die Grundfläche misst 10 mal 11 Meter, die Mauerstärke nach Süden beträgt unten 3,10 Meter, im Obergeschoss 2,70 Meter. Vor dem Tor lag ein zwölf Meter breiter und fünf Meter tiefer Graben mit Brücke und Zugbrücke. Über die Jahrhunderte wurde der Turm mehrfach umgebaut und diente zeitweise als Schuldnergefängnis, dessen Insassen der Volksmund „den Sankt-Martinsmantel umgehängt“ bekam. Während des Festungsbaus unter Sébastien Le Prestre de Vauban ab 1678 wurden die Vorstädte eingeebnet und drei der vier ursprünglichen Stadttore abgerissen. Im 17. Jahrhundert war die Stadtseite mit einem Bildnis des heiligen Martin geschmückt. 1899 stand der Abriss zur Debatte, doch Oberbürgermeister Otto Winterer setzte eine Erhöhung durch. Im Sommer 1901 stockte der Freiburger Baumeister Eugen Schmidt nach Plänen Carl Schäfers den Turm von 22 auf 60 Meter auf. Am 28. August 1901 wurde Richtfest gefeiert.
Architektur und Anbau am Martinstor
Der heutige Turm vereint Bauteile aus dem frühen 13. Jahrhundert mit spätgotischen Aufbauten im historistischen Stil des 15. Jahrhunderts. Carl Schäfer integrierte beim Umbau 1901 kleine Ecktürmchen, ein steiles Dach und Aufbauten, die an die gotische Bautradition der Stadt anknüpfen sollten. Über dem Torbogen ziert seither die Replik einer barocken Sandsteinplatte mit dem doppelköpfigen Adler des Heiligen Römischen Reiches die Außenfassade. Bis 1951 trug der Anbau zudem den aufgemalten deutschen Reichsadler sowie die Wappen von Freiburg und Baden. An der Ostseite ist in etwa sechs Metern Höhe noch die frühere Öffnung des Wehrgangs zu erkennen, mit dem einst alle Stadttore verbunden waren. Der Turm steht heute leer, da Sicherheits- und Brandschutzvorschriften eine museale Nutzung verhindern.
- Höhe: 60 Meter, 1901 von Carl Schäfer von ursprünglich 22 Meter aufgestockt.
- Grundfläche: 10 mal 11 Meter, Mauerstärke unten 3,10 Meter, im Obergeschoss 2,70 Meter.
Gedenktafel an die Hexenverfolgungen

Auf der Innenstadt-Seite des Martinstors befindet sich neben dem Torbogen eine Gedenktafel als Erinnerung an die Freiburger Hexenverfolgungen. Stellvertretend genannt sind die Ratswitwen Anna Wohlffartin, Catharina Stadelmennin und Margaretha Mößmerin, die am 24. März 1599 wegen angeblicher Hexerei in Freiburg enthauptet und außerhalb der Stadt verbrannt wurden. Ihre Namen stehen für alle Opfer der darauf folgenden Hexenprozesse in Freiburg. Die Folterungen wurden seinerzeit nicht im Martinstor selbst durchgeführt, sondern im Christoffelstor am nördlichen Ende der Kaiser-Joseph-Straße, das heute nicht mehr erhalten ist.